Anzahl der Regiogelder auf €-Basis nimmt ab

 © Marichu de Leon
Das Nahgold, der Zschopautaler, der Grabfelder und das Rössle waren Regiogelder, die vorübergehend im Umlauf waren. Die Akteure dieser Gelder sammelten viele wertvolle Erfahrungen über die Umsetzung eines Euro-hinterlegten Regiogeldes.
Dabei zeigte sich, dass es bei der dauerhaften Realisierung von Euro-hinterlegten Regiogeldern Schwierigkeiten auftreten. Personelle und materielle Ressourcen sind schnell aufgezehrt. Einnahmen aus Zinsen, wie sie Geschäftsbanken erlangen, gibt es bei Regiogeldern nicht. Andere Finanzierungsmodelle werden schrittweise erprobt. Die Akzeptanz der Nutzer entsteht langsamer wie von den Akteuren erwartet.

Häufig wird angenommen, dass mit einem Euro-hinterlegten Regiogeld leichter Nutzer des neuen Geldes gewonnen werden können. Der hinterlegte Euro soll den Rücktausch ermöglichen. Durch eine Gebühr werden Projekte des Gemeinwohls finanziert.
Diese Eckdaten eines Regiogeldes erfordern, dass es zu einem regelmäßigen Wechsel von Euro in Regio`s kommt.

Die bisherigen Motivationen und Anreize diesen Wechselprozess aufrecht zu erhalten, sind nicht ausreichend, denn bei vielen der Projekte waren vor der Entscheidung das Projekt einzustellen, die Umsätze rückläufig. Selbst Wechselkurse von 100 Euro zu 110 Regio`s führten nicht zu dem gewünschten Ergebnis. Die zunehmende Knappheit des Euros, sein globaler Einsatz für den billigen Konsum und die zeitlich unbegrenzte Möglichkeit der Zurückbehaltung des Euros vom Markt sind zwar Gründe für den Umstieg auf einen ergänzenden Regio aber auch die Argumente für den Konsumenten, seine Euros eben nicht in Regios umzutauschen. Regios sind auch keine Komplementärwährung die Anreize für Gewinne aus Währungsspekualtion haben. Die Antwort auf die Frage für den Verbraucher, warum er Euro in Regios wechseln soll, beinhaltet mehr indirekte als direkte Vorteile.

Für die Akteure bedeutet die Umsetzung eines Euro-hinterlegten Regios einen hohen Aufwand an die Organisation und Einschränkungen hinsichtlich der Kreativität zur Realisierung des Gemeinwohls. Zur Verhinderung von marktwirtschaftlichen Währungswettbewerb hat der deutsche Gesetz und Verordnungsgeber eine Vielzahl von Regelungen zu gunsten des Euro-Bargeldes der Zentralbank und der Privilegierung des Euro-Buchgeldes der Geschäftsbanken geschaffen.
Zur Realisierung des Euro-Bargeldes nutzt der Staat seine Steuereinnahmen, Geschäftsbanken verwenden für die Umsetzung ihres Euro-Buchgeldes Zinseinnahmen aus Geldschöpfung und Geldverleih. Geschäftsbanken werden durch staatliche Instrumente und Steuergeldern vor einem Scheitern finanziell geschützt.
Regiogeldern stehen nur geringe Gebühren und Kostenbeiträge für die Finanzierung des Geldsystems zur Verfügung. Die Schaffung einer dauerhaften Finanzierungsmöglichkeit für Regiogelder ist gegenwärtig ein offenes Versuchsfeld. Ein Scheitern ist erlaubt und schafft Erfahrungswerte für nachfolgende Projekte.

Ich möchte mich im Namen des Fachverbandes Regiogeld bei allen Akteuren bedanken, die sich mit ihren Leistungen für die Schaffung eines nachhaltigen regionalen Finanzsystem mit komplementären Regiogeldern eingesetzt haben und einsetzten.

Kommentare:

  1. interessanter Bericht, aber was schließen wir daraus? Sind leistungsdeckte Regiogelder erfolgreicher?
    Hugo Godschalk

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  2. Im Netzwerk BGE-Kreise besteht die Möglichkeit, eigene Erfahrungen in einem geschützten Rahmen mit dem Grundeinkommen zu machen. Elemente von Tauschring, Komplementärwährung und Grundeinkommen wurden hier zu einer Einheit verschmolzen:
    http://bgekoeln.ning.com/profiles/blogs/bedingungsloses-grundeinkommen-nicht-warten-sondern-starten

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  3. Richtig ist...
    WDR5
    http://www.youtube.com/watch?v=bYsJw34bR4Y
    ARD
    https://www.youtube.com/watch?v=4CVkQUAp1q0

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  4. Hinsichtlich des angesprochenen Aspektes "Aufwand an die Organisation" denke ich, dass es sich hier um eine Herausforderung handelt, die für Komplementärwährungen generell von Bedeutung ist. Ich verweise hierzu auf einen kürzlich in englischer Sprache erschienen Artikel -
    http://ijccr.net/2015/02/25/the-financing-of-complementary-currencies-problems-and-perspectives/

    R. Schröder

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