"Chancen“ sind ausgezeichnete soziale Innovation

Im August 2016 wurde in Essen der jährliche N.I.C.E. Award verliehen, der Preis des Netzwerks für Innovationen in Kultur und Kreativität in Europa. Unter den „beispielhaften Modellen zur Bewältigung drängender gesellschaftlicher Fragen“ wurde auch ein Dortmunder Projekt ausgezeichnet: „Public Residence: Die Chance“ von Machbarschaft Borsig11.
Seit 2014 kursieren am Dortmunder Borsigplatz „Chancen“ – eine Kreativ-Währung, die Bewohner verwenden, um ihr Viertel mit zu gestalten. 100 davon wurden zu Beginn an jeden Interessenten ausgezahlt. Für ein Jahr waren verschiedene Künstler zu Gast, um zusammen mit ihren Nachbarn Projekte zu entwickeln und umzusetzten. Wer sich daran beteiligte, erhielt weitere Chancen, und mit denen konnte man weitere Projekte realisieren. So kam ein Kreislauf in Gang, der bis heute anhält. Nach dem Ende von „Public Residence“, nach dem Abschied der Künstler haben die Nachbarn die Initiative ergriffen und arbeiten mit ihren Chancen weiter an der Veränderung des Quartiers.


Das Konzept für „Public Residence: Die Chance“ hatte bereits 2013 den faktor-kunst-Preis zur Förderung kultureller Teilhabe gewonnen. Die Idee, eine Künstler-Residenz mit einer Kreativ-Währung zu verbinden, die über das Ende des Projekts hinaus gilt, wurde daraufhin mit Unterstützung der Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft verwirklicht. 100.000 Chancen sind ins Quartier geflossen, die viele gemeinsame Kunst-Aktionen ermöglicht, über 500 Menschen beteiligt haben und langfristig das kulturelle Engagement der Bewohner stärken. Die zahlreichen Aktivitäten rund um das Chancen-Café 103 (Dortmund, Oesterholzstraße 103) belegen den nachhaltigen Effekt des Chancen-Modells, das nun mit dem N.I.C.E. Award auch auf dem Feld der Kreativwirtschaft prämiert wurde.

Das Netzwerk N.I.C.E. beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Einfluss von Kunst und Kultur auf das soziale und ökonomische Umfeld. 2016 wurde der Wettbewerb zum Thema „beispielhafte Modelle zur Bewältigung drängender gesellschaftlicher Fragen“ ausgeschrieben. NRW Wirtschaftsminister Garrelt Duin und Dieter Gorny, Geschäftsführer von ecce (European Centre for Creative Economy) überreichten den Preis am 25. August in der Essener Philharmonie im Rahmen des fünften Forum d’Avignon Ruhr. 105 Bewerbungen aus 25 Nationen waren eingegangen. Unter den 12 nominierten Projekten belegt Machbarschaft Borsig11 mit „Public Residence: Die Chance“ den zweiten Platz. Den ersten Platz teilen sich die "Makerversity", eine in Amsterdam stationierte Plattform für kreative Jungunternehmer, und das Berliner Projekt "Roc21 / Refugee Open Cities", das die Lebensqualität in Flüchtlingscamps durch Selbstbeteiligung verbessert. Der Sonderpreis für Klimaschutz ging an Julie's Bicycle aus London.

Die Chancen vom Borsigplatz sind ein künstlerisches Experiment, das geglückt ist und weiter wirkt. Durch den gewonnenen Preis werden sie sich voraussichtlich sogar noch mal verbessern. Die Macher wollen das Projekt weiterentwickeln, neue Anwendungsmöglichkeiten und natürlich weitere Unterstützer finden, die das kreative  Engagement im Viertel fördern wollen. Und vielleicht gibt es ja bald auch Chancen in anderen Quartieren?

Weitere Informationen: www.borsig11.de

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